Damals und Heute

Damals und heute. Manchmal ist das Damals wirklich das Damals und das Heute eben das Heute – doch es gibt Momente da wird diese Grenze verwischt und das Damals geht ins Heute über und das das Heute wird in das Damals gedrückt. In solchen Momenten scheint es fast so, als würde die eigene Realität, das ‚Jetzt‘, gar nicht festgelegt sein – als wäre man ein schwebendes Teilchen in einem unendlichen Kosmos vielfältigster Möglichkeiten. Schwebend zwischen den Zeiten hin und her springend, zwischen sich öffnenden und schließenden Türen. Bewegung überall und überall, wo man hinschaut, gold-weißes Licht.

Es gibt so einen Spruch, den ich sehr gern mag und er lautet so:
„You are one decision away from a totally different life.“

Wenn also das Konzept ‚Damals-Heute-Morgen‘ gar nicht wirklich existiert und man nur den Moment greifen muss, um sich aus dem ‚Damals‘ zu ziehen, sich das ‚Morgen‘ in das ‚Heute‘ zu holen und so sein Leben in ganz neue Bahnen zu lenken…dann gleicht das Leben doch viel eher einer zauberhaft-himmlischen Wundertüte voller Magie und Möglichkeiten. Nur so ein Gedanken, den ich gern teilen wollte.

 

 

(photo credit: Free-Photos)

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Erinnere Dich

Ich bin nicht gemacht für das Leben in ewiger Stille. In ewigem Schweigen. Für Worte, die nie das heilige Funkeln des Tageslichts erblicken und sich so nie in die stimmigen Harmonien des Lebens einreihen können. Ich bin nicht gewappnet für ein gelebtes Leben zwischen erdrückenden Mauern und dem endlosen Marsch durch graue, monotone Alltagskonstrukte. Ich bin nicht gemacht für das Nacherzählen von Lebenslügen bei gleichzeitig gesenktem Haupt und gefalteten Händen. Ich bin nicht dafür gemacht in vorgefertigte Schablonen zu passen und mich dem irreführend lächerlichen Ideal eines unglücklichem Etwas anzupassen, was zu oft noch als Maxime geltend gemacht und Kindern als Lebensmuster in die kleinen, heiligen Hände gedrückt wird. Ich bin nicht dafür gemacht geduckt zu gehen, zu kriechen, immer wieder zu stolpern und mich weiterhin der monotonen, still leidenden Masse anzuschließen…

…und Du auch nicht.
Erinnerst Du Dich?

Und? Was machst du so?

„Und? Was machst du so?“ Deine unbedarft ausgesprochenen Worte dringen an meine Ohren, während ich die sonst so glatte Oberfläche meines Tees per Löffelkreisen in Aufruhr versetzte. Ein Herzpieksen als erste Reaktion, dann ein inneres Aufseufzen. Bevor ich überhaupt ansatzweise eine Antwort formulieren kann, rasen bereits Millionen an Gedankenmolekülen in meinem Kopf herum und ergeben ab und an ein explodierendes, farbenfrohes Chaosfeuerwerk in meinem aufgewühltem Inneren.

Ja, was mache ich so? Nun ich mache sicher nicht das, was man traditionell als ‚erwartbare Antwortmöglichkeit auf diese spezielle Wortkombination‘ bezeichnen würde. Ich befinde mich in einem stetig voranschreitenden Veränderungsprozess, den ich in einer rasenden Achterbahn der Gefüle bestreite. Das, was so manch‘ eine Person als Frühlingsputz in den eigenen vier Wänden bestreitet, mache ich auch – nur in mir selbst. Ich bin am arbeiten, verarbeiten und aufarbeiten von Dingen, die ich schlussendlich wegschmeiße, aufhebe oder einen neuen Anstrich verpasse. Ich bin sehr verloren, aber gleichzeitig auch auf einem guten Weg. Es gibt Momente, in denen ich durch pechschwarze Gedankenwelten wandere und verzweifelt nach dem klitzekleinsten Fleckchen Licht am Himmel Ausschau halte. Und dann gibt es wiederum lichtdurchflutete Morgendämmerungen und sanfte Frühlingswinde mitsamt melodischem Blättergeraschel. Ich klapp, wie ein Kartenhaus, zusammen und bau mich aus eigener Kraft wieder auf. Es ist anstrengend, frustrierend, nervenaufreibend, wunderbar, lebensbejahend, notwendig und bewegend. Mir geht’s gut und manchmal, tja, da geht’s mir richtig schlecht – aber ich bin okay.

„Also? Was machst du so?“ Mit einem Klirren lege ich meinen Löffel beiseite und hebe den Blick. „Was ich so mache? Verabredungen mit dem Leben nachgehen“, antworte ich.

Kühle Fingerspitzen & ein warmer Frühlingsmorgen

Das Rattern des stetig voran rauschenden Zuges dröhnt in meinen Ohren, während ich aus dem verschmutzten Fenster blicke und die an mir vorbei rauschenden Häuserfassaden betrachte. Im Zug herrscht eine erschöpfte Stille, die nur dann und wann von leise nachhallenden Musikkompositionen unterbrochen wird, die aus billig wirkenden Kopfhörern dröhnen. In meiner eigenen Gedankenwelt versunken, fummle ich an dem Reißverschluss meines Rucksacks herum, während sich Sorgenblubberblasen über meinen Kopf zusammenbrauen. Irgendwo zwischen zwei Haltestellen habe ich mein örtliches Orientierungsgespür verloren und rase nun an für mich nicht wahrnehmbaren Haltestellenbuchstabenkombinationen vorbei. Ich seufze, will gerade meine Augen schließen, als ich spüre, wie sich eine Gestalt direkt neben mir niederlässt.

Dein Duft – ein Gemisch aus  Minze, süßer Honigmelone und einem warmen Frühlingsmorgen – verrät dich sofort und vertreibt beinahe augenblicklich die frostigen Temperaturen aus meiner Bauchregion. Ich erstarre, während mein Inneres gleichzeitig Freudentänze zelebriert und mit meinem Herzen Cha-Cha tanzt. Ob du mich überhaupt erkannt hast? Ein kurzes Blinzeln in deine Richtung genügt, um die Freude in deinen blauen Augen zu erblicken und meine nicht ausgesprochene Frage mit einem klaren ‚ja‘ zu beantworten. Wir lächeln uns an, lassen aber dennoch die Stille als dritter Passagier in unserer Sitzreihe verweilen. Als ich spüre, wie meine Unterlippe ganz sachte anfängt zu zittern, drehe ich den Kopf wieder in Richtung Fenster. Kleine, vereinzelte Regentropfen schieben sich mitterlweile an dem glatten Glas hinab, nur um dann irgendwo am unteren Rand im Nichts zu verschwinden.

Doch du verschwindest nicht. Stattdessen sind da warme Finger, die sich sachte zu den meinen vortasten. Ich atme lautlos auf, halte den Blick aber noch immer auf die verschwommene Welt außerhalb dieses Zugwagons gerichtet, während sich unsere Hände ineinander verschränken und dein Daumen über meinen viel zu kalten Handrücken zu streichen beginnt.

„So frostige Hände…was hast du denn gemacht? Draußen Pinguine gefüttert?“

Leise geflüsterte Worte, die, über die allmählich wiederkehrende Gefühlsfähigkeit in meinen Fingerspitzen hinaus, augenblicklich eine Schmelzlawine in meinem Herzen auslöst – und kurz darauf schallt mein Lachen durch das sonst so ruhige Zugabteil.

(photo credit: unsplash)

Mit den Staubflöckchen im Sonnenlicht tanzen

Manchmal, wenn der innere Wirbelsturm tobt, der Stresspegel die Haare zu Berge stehen lässt und die Minusgrade nicht nur außerhalb der heimischen vier Wände existieren, dann ist es an der Zeit die Notbremse zu ziehen und die Geschwindigkeit des Alltagszugs herunterzuschrauben. Während vereinzelte Staubflöckchen im warmen Licht der Sonnenstrahlen tanzen, legst du dich auf deinen weichen Flauschteppich, schließt die Augen und…lässt einfach mal alles los. Lässt die Welt, Welt sein; lässt Sorgen, Sorgen sein und tauscht das innerliche und äußerliche Herumrennen zur Bewältigung der To-Do-Liste gegen ein paar Minuten achtsamken Alleineseins mit dir selbst ein – tja, und manchmal geschehen genau in solchen Momenten die Lösungsfindungssiege, die zuvor anhand bitterer Kämpfe krampfhaft errungen werden sollten. Während du dem Pochen deines Herzens an deinen Fingerspitzen nachfühlst, wird etwas Erhärtetes weicher, etwas Starres wieder beweglicher und die vermeintliche Lebensmühe trägt wieder das schimmernde Antlitz hoffnungsvoller Zukunftsvisionen.

Denn weißt du, wenn alles Andere gegangen ist, dann bleibt nur noch eins:
Die Liebe.

(photo credit: unsplash)

Zweitausendsiebzehn

Es ist der 31.12.2016, kurz vor Mitternacht. Entgegen vieler anderer Personen meines Alters öffne ich in eben jenem Moment nicht mit einem lauten ‚Plopp‘ die Sektflasche oder errate die Form des eigenst gegossenen Minibleifigürchens. Stattdessen liege ich in meinem dunklen Zimmer und lausche dem heulenden Wind, der ab und an an meinem Fenster rüttelt. Ansonsten ist es still. In mir selbst ruhend, denke ich an die vergangenen 365 Tage zurück, versinke so in den Erinnerungen an Euphoriemomente und spüre dann und wann dem Pieksen in meinem Herzen nach, wenn meine Gedanken zu grauen, schmerzhaften Augenblickmontagen gelangen.

Es war ein anstrengendes Jahr gewesen – um nicht zu sagen: Sehr anstrengend. Positiv- und negativgefärbte Lebenslaufstrecken haben mich zu eben jenem Punkt geführt, an dem ich jetzt stehe. Auch, wenn noch viele Vorhaben in Kinderschuhen stecken, überwiegt die Zufriedenheit mit mir selbst und meinen Errungenschaften in Form von erfolgreich bestiegenen Meilensteinen. Vielleicht wird das neue Jahr nicht einfacher oder weniger kräftezehrend. Sicher wird es noch ein Weilchen dauern, bis ich dort ankomme, wo es sich für mich gut und passend anfühlt – doch die Weichen sind gestellt, die Nebelschwaden um neue Lebenspfaden beginnen sich zu lichten und ich blicke mit Optimismus nach vorn.

Und genau das Gleiche wünsche ich Dir auch. Ich wünsche Dir, dass du, trotz belastender Veränderungsdurchschreitungen, immer wieder Zeit für Leichtigkeit findest. Ich wünsche Dir, dass du, trotz tränenverschmierter Wangen, Zeit für aufrichtige Kichermomente findest. Ich wünsche Dir, dass du im Grunde deines Herzens immer an Dich glaubst. Dass du niemals aufgibst und weiterhin für das kämpfst, was dein Herz zum Singen bringt.

All‘ das wünsche ich Dir und wünsche uns ein ganz wunderbares und lebensveränderndes
Zweitausendsiebzehn.

P.s. Diesen Text möchte ich mit einem großen ‚Danke‘ beenden. Danke, dass Du Dir Zeit für meine Worte nimmst und sie liest. Danke für Deine Liebe, deine Geduld und Freundschaft. Das ist das größte Geschenk für mich überhaupt. Danke!

„What a strange being you are,
God knows where I would be
if you hadn’t found me,
sitting all alone in the dark.“

(pc: unsplash)